Die Fujara

Der Bau Das Spiel

Der Klang

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Am leichtesten spielbar ist der Bereich zwischen dem dritten und sechsten Oberton, worin sie sich auch klanglich von ihrer schönsten und ausgewogensten Seite zeigt: samtig und sanft. Vom siebten Oberton an aufwärts wird durch die exponierte Blasintensität auch das Anblasgeräusch so stark, dass dies die Grundfrequenzen durch intensiv mitklingende harmonische und unharmonische Klangsubstanzen überdeckt. Die Klangtrauben um den achten und neunten Oberton sind für den Fujaraklang charakteristisch und vor allem beim rozfuk (Einblasen) beliebt. Bei ihnen ergibt sich der peitschende Rauschton, bei dem sich keine genauen Tonhöhen mehr erkennen lassen.

 
Durch die entwickelte Ueberblastechnik erreicht der Tonumfang der Fujara bis zu drei Oktaven, die durch die Verwendung der drei Grifflöcher kontinuierlich ausgefüllt werden. Die Fujara ist ein typisches Obertoninstrument. Der Grundton liegt bei einer 170cm grossen Fujara bei „G“. Der Klang der Fujara ist weich, dunkel gefärbt, aber dennoch obertonreich.
  Der Ton ist beweglich und kann in den Grenzen der Ueberblasstufen dynamisch ausgenutzt werden; sie kann bis zum zehnten Oberton überblasen. Auch die einzelnen Töne sind aussergewöhnlich obertonreich und haben ein reich ausgeprägtes Klangspektrum. Vor allem die klangschönen Töne der unverkürzten Röhre tendieren dazu, ständig weitere, benachbarte harmonische Töne mitschwingen zu lassen. Dabei spielt die Ueberblasintensität eine wesentliche Rolle.
Das Fujaraspiel ist bis heute vor allem im mittelslowakischen Bergland selbst unter der Jugend verbreitet. Das Spiel wurde meist auf den Bergweiden erlernt, wo sich die Hirten vom Frühling bis zum Herbst mit ihren Herden aufhielten. Die jüngeren lernten von den Älteren oder vom Oberhirten in der Regel durch blosses Anhören und Nachahmen des Spiels.
Nur gelegentlich zeigten die "Erfahrenen", wie sie bestimmte Weisen "greifen". Jeder Spieler besitzt daher eine besondere Spieltechnik, so dass es beispielsweise ohne grössere Schwierigkeit möglich ist, die besten mittelslowakischen Spieler durch blosses Anhören von Tonbandaufnahmen zu identifizieren. Auf der Fujara werden vor allem Hirten- und Räubermelodien vorgetragen. Die Fujaramelodien sind rhythmisch frei vorgetragene Liedweisen, bei denen vor allem ihr rhapsodischer, parlandoartiger Charakter betont wird.
 
Die Einheit zwischen Liedvortrag und instrumentaler Interpretation ist dadurch gewahrt, dass der Spieler die Weisen erst ein- bis zweimal auf der Fujara spielt, dann einige Strophen singt und abschliessend die Melodie erneut auf dem Instrument spielt. Dieser abwechselnd instrumentale und vokale Vortrag ist ein wesentliches Charakteristikum der Spielpraxis. Somit sind die meisten Fujaraspieler auch gute Sänger. Das Liederrepertoire ist sehr eigenständig und zweifellos unter dem Einfluss der akustischen Gegebenheiten der Fujara entstanden oder zumindest umgestaltet worden. Nur gelegentlich kommt es vor, dass die Fujara mit einer Flöte zusammen gespielt wird oder andere Fujaraspieler sich am Liedvortag beteiligen. Im Repertoire dominieren dramatisch balladische und pathetisch-heldenhafte Themen, die von der Kraft, der Freiheitsliebe und den Heldentaten der Hirten und Räuber erzählen.
  Das Räuberwesen entstand im Laufe des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts aufgrund einer Verschärfung der sozialen und politischen Zustände der Slowakei nach den Türkenkriegen. Die Räuberlieder wurden auch im 19. und 20. Jahrhundert bei sozialen Unruhen und in der Zeit der Entstehung des Nationalgefühls immer als traditionell-historisches Symbol für den Widerstandskampf angesehen.
  Die Fujara, die mit dem Vortrag dieser Lieder unzertrennbar verbunden war, wurde somit zu einer Art symbolischem Nationalinstrument, welches für Freiheit und Unabhängigkeit stand. Die Verknüpfung von Räuber- und Hirtenmelodien ist unter anderem darin begründet, dass sich die Hirten oft mit den Räubern verbanden, sie vor der Verfolgung schützten und mit Lebensmitteln versorgten.
Das bereits erwähnte starke Anblasen (rozfuk) der Fujaraspieler wurde als Signal verwendet, mit dem sich die Hirten untereinander zu erkennen gaben. Die kräftigen, peitschenden Klangtrauben sind über mehrere Kilometer zu hören!
Da das Instrument bisher nur von Männern gespielt wurde, besteht auch das Repertoire nur aus Männer- und Tanzliedern. Die Fujara erfüllt keine magischen oder zeremoniellen Funktionen, sondern ist das Instrument eines einzelnen Hirten, der für sich selbst und nicht für andere spielt.