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Interview mit Winne Clement - Fujara und
Obertonflötenbauer aus Belgien
Von Roderick Zeig in Detva, Slowakei am
12.07.2008
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Gut, ich
sitz jetzt da mit Winnie Clement, er ist Fujarabauer seit 2005.
Und nicht wie man Denken könnte, kommt er nicht aus der
Slowakei. Sondern er kommt aus Belgien. -
Wie bist du zur Fujara gekommen?
„……
Uääääääaeee an gan, so ist das“. Gut erzähl. „ Ich
kann nur. Ich bin sehr müde“. Muss ich erstmal sagen.
Ehm. ( Interviewtermin 03.15Morgens) Ja, gut wir
können noch erwähnen, dass wir hier in der Geburtsstätte der
Fujara, in Detva in der Slowakei sind. Und waren von Dusa Fujary
eingeladen worden, hier in Detva am Fujara-Workshop teil zu
nehmen. Wir hatten heute Nachmittag ein Konzert von dem ich
später noch berichtet werden.
Veröffentlicht auf Fujara.ch am 13. Sept 2008 |
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Gut, ich hatte einmal ein Fujara-Lied auf CD gehört, dass mich
sehr ergriffen hatte. Das war von Jan Marmenout , einem Belgier.
Damals wusste ich noch nicht, dass er ein Belgier war. Und der
Klang der Fujara hat mich so ergriffen, das ich wusste dieses
Instrument möchte ich spielen lernen. Ich war mein ganzes Leben
schon auf der Suche nach einem Musikinstrument, das ich spielen
lernen wollte. Ich fand bis anhin keines das mich so sehr
ergriff, dass ich mir sicher war: Das ist das Instrument das ich
lernen will. Musik habe ich immer „getrunken“. Ich konnte mich
zwei Stunden hinsetzen und einfach nur zu hören. Und Musik
geniessen. |

Klick
Jan
Marmenout mp3 |
Ich habe einwenig Geld gespart. Und habe den Künstler der
CD, Jan Marmenout, der zufällig in der gleichen Stadt wohnt, besucht.
Und begegnete zu ersten Mal einer Fujara und konnte sie live hören.
Von welchem Bauer war die Fujara? Die war von
Michal Filo. Aber, Jan kannte mich noch nicht und ich durfte noch nicht
auf ihr spielen.
Dann habe ich mir meine
erste Fujara gekauft. Eine alte Fujara von Jan Holik.
Auf der habe ich einen Monat
geübt. Diese war eine schön geschnitzte, hörte sich jedoch nicht
so gut an. Und dann habe ich über Internet eine Fujara gekauft
und ein Jahr lang darauf geübt.
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Fujaristen: Pavol Smutny &
Roderick Zeig |
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Bereits kamen mir meine ersten Überlegungen, dass ich eine
solche Fujara auch selber bauen könnte. Jedem, dem ich mein
Vorhaben erzählte, hat mich als verrückt erklärt. „Das seien
alte Fujara-Baumeister in der Slowakei, die dieses Instrument
bauen“, hörte ich von allen Seiten. Ich Habe aber trotzdem
meine ersten Versuche gemacht. Und so bin ich zur Fujara
gekommen. |
So
bist du zur Fujara gekommen. Das ist eigentlich ein sehr schneller Weg.
Ja, das war eine solche Kraft, die von diesem Instrument ausging. Das
war so intensiv, dass ich jeden Tag drei bis vier Stunden gespielt habe.
Ich habe dann auch meine ersten Bauversuche mit
PVC- und Bambus Fujaras
gemacht. Ich hatte zuvor mit Holz gearbeitet und war Maler. Ich hatte
nichts mit Musik zu tun und nie ein Musikinstrument gespielt. Ich
konnte mit den Händen arbeiten. Musik und Klang war ganz neu für mich.
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Du
hast also vor der Fujara kein Instrument gespielt?
Nein,
keines.
Du warst Zuhörer.
Und
dann habe ich im Internet angefangen zu suchen. „Wie bekomme ich Klang?“
Mit
Plastik, Holz und
Bambus habe ich experimentiert. Ich fand jedoch nur sehr wenige Beiträge
im Internet. Und dann fing ich an, geeignete
Bohrer zu suchen. Mir konnte niemand sagen wie die Bohrer aussehen, die
ich benötige. Dann habe ich in Deutschland angefangen zu suchen.

Max Brumberg |
Ich
bin zehn Tage lang, von Bauernhof zu Bauernhaus gewandert und
habe an jede Tür geklopft, um die geeigneten Handbohrer,
sogenannte “Tischler-Bohrer“ zu finden. Die benutzten sie um
die Wasserleitungen zu bohren. Und am letzten Tag vor meiner
Abreise nach Hause, fand ich ein 4er-Set.
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Ich war sehr glücklich,
dass ich welche fand und ich anfangen konnte qualitativ gute Fujara‘s zu
bauen.
Ich suchte weiter Informationen
im Internet und schaute mir verschiedene Flöten an. Und dann habe ich
angefangen, wie ein Kamikaze Flöten zu bauen. Ich hatte am Anfang auch
kein getrocknetes gutes Holz. So suchte ich mir Holunder, der bereits
abgestorben war und machte so meine ersten Versuche.
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"Wir konnten uns mit Worten nicht
verständigen,
da wir nicht die gleiche Sprache sprachen.
Aber wir haben mit dem „Herzen“ gesprochen."
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Nach einem
guten halben Jahr, bin ich in die Slowakei gefahren, mit einer kleinen
Flöte im Gepäck die ich gefertigt hatte. Und besuchte die Flötenbauer.
Der erste war Jan Sulik. Er schaute die Flöte an. Und schüttelte mir die
Hand und sagte es sei sehr speziell was ich da gebaut hatte. Jan Sulik
war gerade dabei eine Flöte zu bauen und fragte mich, ob ich ihm mein
System zeigen könnte. Das war sehr kurios, denn ich kam in die Slowakei
um Informationen zu sammeln. Das war eine Umgekehrte Welt. Er konnte
mir nichts weiter beibringen. Und sagte mir, dass ist eine sehr gute
Flöte. Dann bin ich zu einem weiteren Flötenbauer: Michal Filo. Ich
konnte kein Slowakisch und konnte mich mit ihm nicht recht verständigen.
Aber auch er schüttelte mir die Hand und gab mir zu verstehen, dass es
eine sehr gute Flöte sei. Er hatte leider in dieser Woche keine Zeit.
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Dann bin
ich weiter in der Slowakei umhergereist und sprach mit vielen
Leuten. Gegen ende meiner Reise hörte ich von Pavol Smutny. Bei
seinen Fujaras hörte ich einen Klang, der mich sehr berührte.
Ich wusste nur, dass er in Dubravi wohnt und besuchte ihn dort.
Er war nicht zu Hause. Nur seine Frau. Sie erklärte mir mit
Händen und Füssen, dass er im Wald ist. Ich suchte ihn und fand
ihn beim Holz sägen und half ihm. Ich zeigte ihm meine Flöte und
schaute mich an und sagte: „Komm mal mit“. Und dann fing er an
mich zu lernen. |
Ich hatte die
Hoffnung beinah aufgegeben, dass mir jemand noch etwas beibringen
könnte. Wir setzten uns hin und er zeigte mir, was ich ändern sollte.
Wir konnten uns mit Worten nicht verständigen, da wir nicht die gleiche
Sprache sprachen. Aber wir haben mit dem „Herzen“ gesprochen. Wir haben
mit unseren Gefühlen gesprochen. Ich war nur zwei Tag bei ihm. Doch er
hat mich sehr viel gelernt. Auf eine so herzliche Weise, dass hat mich
sehr tief Beeindruckt.
Ja, dann
bin ich zurück nach Belgien und habe beinah Tag und Nacht gearbeitet.
Geprüft und getestet. Um den perfekten
Klang zu finden. Ja, und da tauschte ich mich
mit Jan Marmenout aus. Er ist ein sehr guter Musiker. Er erzählte mir
was er in der Fujara sucht, welchen Klang ihn am meisten ergreift. So
bin ich jedes Mal, wenn ich eine Flöte fertig gebaut hatte, mit dem
Fahrrad zu ihm gefahren und holte mir ein Feedback. Bis heute. Das ist
meine Geschichte.
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"Sie sagten mir auch, ich sei wie
ein Eskimo in Afrika. Ich gab ihnen zur Antwort:
Ja, ich weiss schon aber ich habe meine Eskimo Tracht nicht angezogen."
Gestern am
11.07.2008 hast du einen Meilenstein erreicht.
Was ist ein
Meilenstein? Wenn du einen Weg entlang gehst, kommt von Zeit
zu Zeit ein Stein, der Meilenstein. Aha, und welchen Meilenstein
meinst du? Die Teilnahme am Auswahlverfahren zur Fujara-Exellent
hier in Detva. Ja, aber das war für mich nicht so spektakulär. Für
mich war es wichtig, die besten Fujaras mir an zu hören. Als normaler
Tourist hast du keine Change an diese heran zu kommen.
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Ich
glaube für die slowakischen Fujara-Baumeister, war es ein
grosser Schritt mich teilnehmen zu lassen. Für mich stand im
Vordergrund, mir die verschiedenen Flöten anzusehen und zu
testen. Das hat mich noch viel gelernt.
Das Auswahlverfahren war für mich aber ein grosser Zirkus. Es
waren auch viele junge slowakische Hersteller da, die
teilnahmen. Und ich hatte einige Flöten von denen getestet, die
mich sehr erstaunt hatten. Diese kamen jedoch erst gar nicht in
die engere Auswahl. Da war zum Beispiel Marek Gonda und mit ihm
habe ich mich ausgetauscht. Ich denke mir, dass bei diesem
Auswahlverfahren vor allem die ehrwürdigen Fujara-Bauer geehrt
wurden. |

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Mir ist klar,
dass ich als Belgier nicht einfach kommen kann und eine Medalie
bekommen kann. Das habe ich aber auch gar nicht erwartet. Für
mich war es schon eine Ehre, dass sie mich zugelassen haben. Sie
sagten mir auch, ich sei wie ein Eskimo in Afrika. Ich gab ihnen
zur Antwort: Ja, ich weiss schon aber ich habe meine Eskimo
Tracht nicht angezogen. Als ich dann der Jury, meine Fujara
präsentiert hatte, waren sie dann doch erstaunt was ich da
mitgebracht hatte. Und sie haben mich für meine Arbeit sehr
gelobt. Ich denke für die Jury, war das ein grosser Schritt,
einen belgischen Fujara-Bauer, in diesem engen Kreis der besten
Fujara Hersteller zu ehren.
Auch ein sehr weiser Schritt. |
Sie
zeigten, dass es möglich ist, eine Tür einen Spalt zu öffnen, um Gutes
herein zu lassen. Ja, das hat mich dann auch sehr gefreut, dass sie
das machten. Denn es war für sie sicher nicht einfach. Das haben sie
sich sicher gut überlegt. Aber wir sind ja hier auch im
traditionsbewussten Kern der Slowakei, in Detva.
Ja, und meine Chance ist es auch, dass ich eben nicht von
hier komme. Denn ich bin Frei. Ich kann mir Inspirationen holen und die
dann so umsetzen wie ich möchte. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass
ich die Fujara nach baue, sondern ich baue sie so wie ich es für Gut
empfinde.
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Du baust nun Fujaras
seit drei und Halb Jahren. Und auch andere Flöten. Was denkst Du,
wo bist du in drei Jahren?
Wohin es mich der
Weg in meinem Leben führt. Ich werde immer suchen und hoffentlich darf
ich die wunderbare Welt des Fujara bauen und spielen geniessen dürfen.
Ich denke, dieser Weg hat erst gerade begonnen.
Was für Merkmale hat für dich eine gute Fujara?
Wenn man sie
anbläst, das man eingeladen wird auf ihr zu spielen.
Die Töne sollen von sich aus kommen. Der Spieler soll durch den Klang
eingenommen und
überrascht werden, man bläst sie an und die
Melodien kommen von selbst. Das ist für mich sehr wichtig.
Das ist auch der Sound, der
durch den Musiker und das Instrument zusammen geschaffen wird.
Die Fujara muss für mich Power haben. In den unteren Tönen soll sie
warme Bässe haben und Oben soll sie rauh und erfrischend klingen.
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Beschreibung
einer Qualitativ hochwertigen Fujara
von Winne Clement
Ein gute Fujara sollte mit wenig Luft
gespielt werden können.
Um angenehm spielen zu können braucht die Fujara einen guten
„Rück-Druck“ der Luftsäule. In den hohen Registern hat der
Spieler mehr Sicherheit und es erlaubt ihm auch das
Zrkularatmen (in einem Atem auf der G Fujara, Sekunde G der
spielbaren Oktave, sollte für-20 sec spielbar sein). Der
Ton sollte, von den tiefen Registern auch nicht schnell in
die oberen Register springen, sondern es sollen auch alle
Zwischentöne spielbar sein.
Die Fujara sollte so gut wie möglich gestimmt
werden (das wird immer ein Kompromiss sein, da es sich um
eine Oberton-Flöte handelt), damit sie mit westlich
gestimmten Musikinstrumenten harmoniert. Zwei ganze Oktaven,
der diatonischen Hauptskala, sollen spielbar sein, ohne
fehlende Noten. Und auch die ersten Noten des dritten Registers
sollten spielbar sein.
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Winne ich danke dir
für dieses Interview und wünsche Dir weiter viel Erfolg beim Bauen
unserer Lieblings Flöte – der Fujara.
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